Deutsch-Weißkirch 2015

Der befestigte Glaube

Kirchenburgen in Siebenbürgen

Jürgen van Buer

Zusammenfassung: Kirchenburgen sind in ganz Europa zu finden, in Spanien genauso wie im Norden Deutschlands. Gleichwohl stellen die Kirchenburgen in Siebenbürgen etwas Besonderes dar. Zwar sind inzwischen viele verschwunden oder verfallen; doch immer noch sind etwa 180 dieser Monumente zu bewundern. Sie sind Ausdruck des unsicheren, mühevollen Lebens bis ins 18. Jahrhundert hinein, als Tartaren, Osmanenhorden und andere immer wieder in die Region einfielen und sie plündernd und brandschatzend durchzogen. Die Kirchenburgen sind aber auch Ausdruck tiefer Religiösität und der besonderen Geschichte der Siebenbürger Sachsen mit ihren frühen Rechten auf kommunale Selbstverwaltung.

Abstract: Fortified churches can be found nearly across whole Europe, in Spain as well as in the North of Germany. Nebertheless, the fortified churches in Transsilvania represent something very special. In fact, many of these monuments have disappeared or are semi-direlict; but about 180 of these fortified churches can be admired. They mirror the unsure and also painful life till into the 18th century when Tartars, hordes of Othmen and others invaded the region pillaging and threatening to burn. But the fortified churches express the deep relgious beliefs, too,  and the special history of the Saxons in Transilvania with the early rights of municipal  self-government.

 

Von den folgenden Kirchenburgen sind in der Bildergalerie Fotos zu finden – photos of the following fortified churches can be found the the two galeries:

Bildergalerie 1: Agneteln; Arkeden; Baaßen; Birthälm; Bodendorf; Dersch; Deutsch-Kreuz; Deutsch-Weißkirch; Draas; Eibesdorf; Frauendorf; Grossau; Hamruden; Heltau; Honigberg; Katzendorf; Keisd;

Bildergalerie 2: Kleinschelken; Marienburg; Mediasch; Meschen; Meschendorf; Neustadt im Burzenland; Reußen; Rotbach; Schönberg; Straßburg am Mieresch; Tartlau; Weidenbach; Wolkendorf; Zeiden.

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Kirchenburgen sind nicht nur in Siebenbürgen im heutigen Rumänien zu finden, sondern quer über Europa hinweg. In den meisten Regionen stehen die Kirchen zwar noch; doch die Wehrmauern um sie herum sind häufig abgetragen oder überbaut. Für Deutschland sind Beispiele zu finden in Grafengehaig (Kreis Kulmbach) oder in Kleinlangheim (Kreis Kitzingen). In Nordfrankreich trifft man z. B. in Thiérache (Département Aisne) auf eine Kirchenburg, in Österreich z. B. in Grades (Kärnten), auch in Muttenz in der Schweiz oder in Østerlars auf Bornholm.

Grossau 2014

Gebaut wurden in der Regel zunächst befestigte Kirchen, zum Schutz des geheiligten Raums. Später wurden sie für den Schutz der Dorfbewohner zu Kirchenburgen erweitert. Diese befestigten Orte waren Überlebensinseln gegenüber vorbeiziehenden plündernden Horden sehr unterschiedlicher Herkunft. Die Dörfer mit einer befestigten Mauer zu umgeben, war zu aufwändig. Kirchenburgen sind Ausdruck verteidigten dörflich-kommunalen Lebens – getragen von der gläubigen Zuversicht in den barmherzigen Gott. So geraten die romantisierenden Bilder ins Schwanken, die wir Burgen so häufig verknüpfen.

Sind die Kirchenburgen in Siebenbürgen etwas Besonderes? Fragt man die Siebenbürger, lautet die Antwort uni solo: Ja. Sie sind etwas Besonderes. Sie haben die Regionen Siebenbürgens geprägt. Sind immer noch der sichtbare Nachweis für die bis ins Mittelalter zurückreichende Form dörflicher Selbstverwaltung. Gewährt durch den Goldenen Freiheitsbrief Königs Andreas II. aus dem Jahr 1224.

Honigberg 2015

Staatsform und Siedlungsstrukturen waren und sind dem Wandel der Zeit unterworfen. Die Mehrheit der nun in Transsilvanien Beheimateten versteht Kirchenburgen nur bedingt als Identität stiftende Symboliken. Seit dem Ende des 2. Weltkrieges hat sich diese Region durch Migration grundlegend verändert. Gleichwohl  sind die noch sichtbaren ca. 180 der ehemals ungefähr 360 Kirchenburgen Siebenbürgens sichtbare Monumente für die inzwischen gut 800 Jahre währende Geschichte der (Re-)Kultivierung dieser Region durch die Siebenbürger Sachsen, vielerorts in Nachbarschaft z. B. mit ungarischen Siedlern und Siedlerinnen.

Zu beinah jeder Siebenbürger Kirchenburg sind im Internet vielfältige Informationen zu finden. Als ein möglicher Einstieg möge der folgende Link zum Verband der Siebenbürger Sachsen dienen: https://www.siebenbuerger.de/verband/. Aus diesem Grund sei darauf verzichtet, auf meiner Homepage detailliertere Informationen zu den hier präsentierten Kirchenburgen zu geben. Die Fotografien sind entlang der alphabetischen Ordnung der deutschen Namen der Ortschaften geordnet, in denen diese Monumente zu finden sind; der rumänische und der ungarische Name sind dort ebenfalls zu finden.

Im März 2018 ist ein Buch mit ausgewählten Fotos und begleitenden Essays im logos Verlag Berlin erschienen. Es wird von meinem Freund Josef Balazs und mir herausgegeben:

Jürgen van Buer & Josef Balazs (2018). „Der befestigte Glaube – Kirchenburgen in Siebenbürgen“. Berlin: logos Verlag.

Buchcover ”Der befestigte Glaube" Josej Balazs/Jürgen van Buer
Cover Buch