Im Folgenden sind ausgewählte Musterseiten zu finden:

– Buchflyer des Logos Verlages
– Inhaltsverzeichnis
– Doppelseite aus dem Bildteil
– Doppelseite mit Bild und Einführungstext
– Rezension durch Prof. Peter Badel von der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg.

Jürgen van Buer & Josef Balazs: „Der befestigte Glaube – Kirchenburgen in Siebenbürgen“. Logos Verlag Berlin

 

Flyer des Logos-Verlag für das Buch "Der befestigte Glaube" von Jürgen van Buer/Josef Balazs
Flyer des Logos-Verlag für das Buch „Der befestigte Glaube“ von Jürgen van Buer/Josef Balazs
Jürgen van Buer & Josef Balazs: "Der befestigte Glaube - Kirchenburgen in Siebenbürgen". Logos Verlag Berlin
Jürgen van Buer & Josef Balazs: „Der befestigte Glaube – Kirchenburgen in Siebenbürgen“. Logos Verlag Berlin

 

Jürgen van Buer & Josef Balazs: "Der befestigte Glaube - Kirchenburgen in Siebenbürgen". Logos Verlag Berlin
Jürgen van Buer & Josef Balazs: „Der befestigte Glaube – Kirchenburgen in Siebenbürgen“. Logos Verlag Berlin
Jürgen van Buer & Josef Balazs: "Der befestigte Glaube - Kirchenburgen in Siebenbürgen". Logos Verlag Berlin
Jürgen van Buer & Josef Balazs: „Der befestigte Glaube – Kirchenburgen in Siebenbürgen“. Logos Verlag Berlin

 

 

Rezension

Prof. Peter Badel                                                                                           Potsdam-Babelsberg, 4. April 2018
Kameramann und Hochschullehrer
Studiengang Cinematography
Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

Marlene-Dietrich-Allee 11

14482 Potsdam

pbadel@t-online.de

0172 6388734

 

Review / Rezension

Jürgen van Buer und Josef Balazs (Hrsg.) (2018):
Der befestigte Glaube. Kirchenburgen in Siebenbürgen.
Berlin: Logos Verlag (ISBN 978-3-8325-4613-7; http://logos-verlag.de)

Das Buch von Jürgen van Buer und Josef Balazs über die Kirchenburgen in Siebenbürgen fasziniert seine Betrachter*innen mit herausragender zeitloser Schwarz-Weiß-Fotografie. Denn vor dem Lesen kommt das Blättern – und neben den erwartbaren Ansichten der Kirchenbauten selbst in ihrem dörflichen Umfeld bestechen vor allen zahlreiche Detailaufnahmen, deren Materialität und deren im Augenblick festgehaltenen Gebrauchsspuren. Die ca. 260 schwarz-weiß Fotografien verbinden den historischen Gegenstand mit der digitalen Moderne, denn die Fotografien sind meisterlich elektronisch optimiert und auch den Druck kann man nur als sehr gut bezeichnen.

Aufgrund seines Formates (26,5×27,5 cm) und seiner 319 Seiten liegt dieses Buch übrigens schwer in der Hand. Gleichwohl stimuliert bereits der Einband mit der Fotografie der Kirchenburg von Wurmloch (Weltkulturerbe) dazu, in dieses Buch hineinzuschauen, das mit seiner gelungenen Mischung aus Fotografie und Text, aus Information und Atmosphärischem viele Interessen optimal bedient.

Aufgebaut ist das Buch aus drei Teilen, die mit den Tätigkeiten „Spüren“, „Schauen“ und „Denken“ überschrieben sind und ganz unterschiedliche Sichtweisen auf das behandelte Phänomen der Siebenbürgischen Kirchenburgen eröffnen:

Im Teil I „Nach-Spüren“ sind je ein Text von Josef Balazs und Konrad Gündisch zu finden. Der erstere geht einer heutzutage kurios anmutenden Legende nach und zeigt deren Gang durch die Geschichte in ihrer Verschriftlichung. Es geht dabei um die Frage, was der Rattenfänger von Hameln mit der Besiedlung von Siebenbürgen zu tun hat. Wie diese Spurensuche ausgeht, sei an dieser Stelle nicht verraten. Konrad Gündisch skizziert die Geschichte der Kirchenburgen in Siebenbürgen zwischen dem 13. Jahrhundert und dem Beginn des 18. Jahrhunderts, d.h. bis zum Ende der Gefahr der Türkeneinfälle in diese Region. Dieser Text macht unmittelbar einsichtig, warum es dem letztlich eng begrenzten Raum von Siebenbürgen ca. 360 Kirchenburgen gegeben hat, von denen heute noch ca. 180 stehen und von denen Jürgen van Buer 39 fotografiert hat.

Im Teil III „Nach-Denken“ finden sich drei Texte, die über den Umgang des Betrachtens von Fotografien reflektieren: Andreas Kohring skizziert aus geschichtswissenschaftlicher Sicht, warum Fotografien selbst noch keine Geschichten erzählen können, sondern die Betrachter*innen dies selbst tun müssen. Thomas Düllo schreibt darüber, dass Fotografien Denkräume öffnen, um kommunikativ Kontext zu verhandeln. Und Jürgen van Buer geht der Frage der Fragmentierung von Welt durch Fotografieren nach.

Der Teil II „Nach-Schauen“ ist der umfangreichste in diesem Buch; er umfasst die ca. 260 schwarzweiß-Fotografien von Jürgen van Buer zu ausgewählten Siebenbürgischen Kirchenburgen und seine kurzen, narrativ gehaltenen Einleitungen zu den 12 Bildepisoden, in die seine Bilder gegliedert sind. Ganz bewusst sind die Fotografien nicht entlang der alphabetischen Folge der Namen der Kirchenburgen geordnet (die alphabetische Zuordnung der Bilder ist im Register zu finden). Stattdessen führen die Bildepisoden zu einer unmittelbaren Begegnung mit den Kirchenburgen von deren i.d.R. dörflichem Kontext bis hinein in die Kirchen und von dort auf die Emporen, die auch „den Rückzug der Zeit“ markieren, wie Jürgen van Buer dies in der Bildepisode 8 nennt. Die Bildepisoden 9 bis 11 wenden sich fotografisch stärker Einzelheiten zu, z.B. den „Fundsachen und Schaustücken“. Den Abschluss markieren die Begriffe „Erinnerung, Vergewisserung, Weitergabe“ – damit stellt die Bildepisode 12 fotografisch die Frage nach der Zukunft der Siebenbürgischen Kirchenburgen angesichts der Tatsache, dass die Siebenbürger Sachsen, deren Vorfahren diese Monumente erbaut haben, zu einer Minorität im heutigen Rumänien geworden sind.

Nun zu den Fotografien selbst, die das Zentrum dieses Bandes darstellen. In der Einleitung schreiben die beiden Herausgeber: „Die Fotografien sind bewusst in schwarz-weiß gehalten. Stärker, als es gemeinhin in farbigen Bildern möglich erscheint, lenkt diese Eingrenzung den Blick auf die Ordnung, auf die Dynamik der Perspektive. Und auf die bildliche Staffelung von Wehrmauer und Kirche, auf die Staffelung der Bänke im Kircheninneren etc.. Letztlich auf die Struktur, die eine Kirchenburg zu einer solchen macht“ (S. 7). Und diesem damit formulierten Anspruch, werden die Fotografien in jeder Hinsicht gerecht. Ein so komplexes Phänomen wie die Kirchenburgen in Siebenbürgen mit ihren noch ca. 180 besuchbaren Monumenten fotografisch darzustellen, eröffnet eine schier unerschöpfliche Vielfalt von Möglichkeiten. Jürgen van Buer entscheidet sich für den Weg der visuellen Begegnung – subjektiv, teils dramatisch, teils fein ziseliert, teils stark rhythmisch gegliedert, letztlich immer unter Benutzung von impliziten Symbolen, beispielsweise zur dörflichen Siedlungsstruktur, zur Wehrhaftigkeit der Kirchen selbst, zur Leere der Kircheninneren, zur tiefen Gläubigkeit der (ehemaligen) Dorfbewohner*innen. Dabei achtet der Fotograf darauf, die Konsistenz seiner Linienführung im Bild zu erhalten, das Spiel von Hell und Dunkel in einer erkennbaren Ordnung zu halten, den Fokus des Bildes als innere Struktur des Gesamtbildes erlebbar zu machen. In der Folge variiert das äußere Format der präsentierten Fotografien stark, nicht nur im Wechsel von Hoch- und Querformat, sondern auch innerhalb der beiden Formate. Beim Fotografieren nutzte Jürgen van Buer ausschließlich natürliche bzw. vorhandene Beleuchtung, formte sie oft zu einem lebendigen Bestandteil des Bildes selbst. Ein Stativ verwendete er nicht, blieb somit unmittelbar und nahm lieber die mitunter erkennbare Artefakt-Struktur des Aufnahmechips in Kauf, die sich bei schwacher Beleuchtung unweigerlich einstellt.

Durch die Gliederung entlang von Bildepisoden bleibt der fotografische Teil spannend, birgt Überraschungen, regt zum Vorwärts- und Rückwärtsblättern an, ermöglicht Vergleiche zwischen den jeweils dargestellten Räumen und Phänomenen über die Kirchenburgen hinweg und öffnet den Betrachter*innen dadurch ein Verständnis der Vielfalt und des Reichtums dieser Architektur.

Die Texte vervollständigen dieses sehr empfehlenswerte Buch, das sehr nachvollziehbar mit „Der befestigte Glaube“ überschrieben ist – ihre Lektüre vervollständigt die äußerst anregende, teils auch aufregende, visuelle Begegnung mit den Kirchenburgen in Siebenbürgen.

Peter Badel