Corona, die Stadt im Osten

Jürgen van Buer

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Kronstadt (Brașov, ungarisch Brassó) – Corona, die Stadt im Osten, wie mein Freund Josef Balazs, gebürtiger Kronstädter, anlässlich der Eröffnung meiner Fotoausstellung über diese Stadt im Februar 2017 in Nürnberg betonte. Und sie trägt diese Krone auch in ihrem Wappen. Von meinem Freund lernte ich in vielen und langen Gesprächen, was in meinen Fotografien die Außensicht, die eines Fremden, bedeutet. Wie sich diese in der Wahl der Motive und der Art spiegelt, das Gesehene, besser: das Erschaute, bildlich zu fassen. Wie sich diese Außensicht im Bild festsetzt. Quasi deren ‚heimlichen Lehrplan‘ bestimmt, wie Erziehungswissenschaftler/innen sagen würden, vielleicht auch fotografierende Pädagogen.

Und er stimmt. Dieser Verweis auf die Außensicht, die so schwer außer Kraft zu setzen ist. Eigentlich müssten Josef Balazs und ich zur selben Zeit, bestückt mit denselben Fotografiergeräten, in derselben Menge an Zeit Gelegenheit erhalten, in Kronstadt zu fotografieren. Mein Freund Josef Balazs, um Kronstadt bildlich zu fassen; ich, um in Kronstadt zu fotografieren. Und dann müssten wir beide die Bilder nebeneinander legen. Zunächst jeder zu seinem je eigenen Portfolio. Und dann zu einem gemeinsamen. Es würden wohl spannende Gespräche, vor allem nie endende. Vielleicht würden wir eine Mixtur zusammenlegen, in der Innen- und Außensicht verschmelzen. Das Wahrscheinlichste ist, dass ich mit meiner Kamera wieder losgehen und Kronstadt dann auf eine wohl ziemlich andere Art einzufangen versuchen würde. Die dann immer noch in Teilen fremde Außen-, aber in Ansätzen bereits Innensicht würde – vielleicht – einen veränderten Fluss des bildlich Gewollten aufscheinen lassen. So, als drängten in einem brüchigen Fresko ältere Bildschuppen an die Oberfläche.

Warum diese Art der Einführung? Um deutlich zu machen: Die Bilder, die hier präsentiert werden, zeigen meine Sicht auf, eine Außensicht auf „Corona – die Stadt im Osten“. Diese Außensicht folgt vor allem den Empfehlungen, die in den Führern zu finden sind. Zumindest zunächst. Marktplatz, Schwarze Kirche, Weberbastei … Und sie nutzt das späte Septemberlicht des Jahres 2015, die winzig kleinen Tröpfchen aus der Feuchtigkeit der Nacht, die die Luft zum Schimmern, zum Schwingen bringen. Aber es sind auch Bilder über die Brüchigkeit der fotografierten Schönheiten. Wenn der Putz nur mühsam die Feuchtigkeit der Wände deckt. Wenn die Dächer der Stadt von der Mühe künden, den Regen den Kammern und Stuben fernzuhalten. Wenn alte Schilder kein moderner Gag sind, sondern zurückverweisen in die Geschichte der Stadt und ihrer Menschen. Damit sind es auch Verweise auf das Verlassen und auf das Loslassen-Müssen von dieser Stadt – und auf das Weiterleben dieser Stadt mit anderen BewohnerInnen und deren Identitäten, Geschichten und Bildern.

Jenseits dieser Gedanken – quasi ganz unmittelbar – ist Kronstadt eine wunderschöne Stadt. Sie strahlt in ihrem Flair, in ihren Hoffnungen auf das Neue, getragen von der Präsenz des Alten. Auch wenn die Außensichten der fremden Besucher/innen zunächst vor allem die Symbole des Vergangenen suchen mögen.

Die Bildergalerie wird in regelmäßigen Abständen mit neuen Bildern ausgestattet.