Granada – Alhambra vom Mirador de San Nicolás aus gesehen 08-03-2016

 Alhambra und Generalife in schwarzweißen Bildern

 Jürgen van Buer

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Alhambra. Zunächst sind es wohl Bilder, farbige Bilder. Wie man sie zu Abertausenden  im Internet findet. Vielleicht sind es auch Splitter von Legenden, die durch den Kopf schwingen. Vielleicht auch die uralten Sehnsüchte von Sonne und dem perfekten Leben. Gegossen in Stein.

Granada – Alhambra – Salón de Comares im abendlichen Gegenlicht 04-04-2017

Wenn man all dies im Kopf zu ordnen versucht, bleibt der Name „Alhambra“ als ein Signum für etwas Paradiesgleiches – als Skript für das verlorene Paradies. Verloren mit der Übergabe dieser riesigen Stadtfestung am 2. Januar 1492 durch Muhammed XII., auch Boabdil genannt, ironisch auch Rey Chico – der kleine König. Das verlorene Paradies – wenn man denn dem Versprechen trauen mag, es gebe ein Paradies. Gleichwohl sind da die Bilder und  Assoziationen über Al-Andaluz, الأن, in dem Nichtmuslime zu den ahl al Dhimma zählten, zu den Schutzbefohlenen. Sie hatten die Dschizya zu entrichten, eine besondere Steuer – wie dies im christlichen Europa für Juden galt. Nur dass religiöse Toleranz für sehr lange Zeiträume als ein Fundament für das Grundverständnis von Al-Andaluz galt. Brüchig war dies jedoch immer auch, wie das Massaker von Granada Ende Dezember 1066 deutlich zeigte. Alhambra. Symbol für das verspielte, das verlorene Paradies?

Granada – Alhambra – Palacio de Comares 26-06-2016

Besucht wird die Alhambra Tag für Tag Tausenden. An vielen Tagen ist der Eintritt in die Nasridenpaläste und den Generalife bereits über das Internet bzw. die Reiseveranstalter so ausgebucht, dass am Eingang bereits morgens häufig keine Karten mehr zu haben sind. Die Festung auf dem roten Felsen ist ein Magnet, ein touristisches Muss geradezu.

Erfassen der Gestalt all der Gebäude, der Feinheiten, des Sonnenglanzes der Gärten, das Erfassen der inneren Gestalt zumal, ist nur schwer zugänglich. Statt dessen überschwemmt sie den Besucher und die Besucherin mit ihrem unerschöpflich erscheinenden Füllhorn von Schönheit. Schnell verschwimmen die Einzelheiten. Farben, Formen, Rhythmus der Linien und Flächen verschlingen ineinander. Werden eingefügt in das undurchdringliche Gefühl der Unglaublichkeit. Der Unfassbarkeit auch.

Mal für Mal entsteht das Gefühl des Paradiesischen. Hat man dann diesen Ort, die Alhambra, mit ihren Palästen und Gärten und den Generalife hoch über der Festung verlassen, ist die Erinnerung an das Gesehene wie ein wirres Potpourri, das zerbrochene Einzelheiten in eine beinah beliebige Folge neu zusammensetzt. Eigentlich mit jedem Wimpernschlag auf eine je andere Weise. In einer je anderen Reihung. Die Alhambra bleibt eine Außenhaut. Ein Etwas, das sich lächelnd nur scheinbar öffnet. Und gleichwohl fest verschlossen bleibt. Ein Mythos, emotional nah und letztlich doch distant. Eine visuelle Legende. Vielleicht bestimmt zur staunenden Auf- und nicht zur Innensicht.

Bilder über die Alhambra und den Generalife, über die Gärten sind farbig. Normalerweise. Sie spiegeln das leichte Blau, das noch in Spuren im Stuck auf den Wänden und der Decken zu finden ist.

Granada – Alhambra – Terrasse am Palacio Yussef III 10-2010

Das bräunliche Gelb, Ocker auch der Säulen. Selbst das Weiß der Wände scheint einen Hauch von Farbe zurückzustrahlen. Je nach Tageszeit mehr in warmer oder in kühler Farbigkeit.

Warum dann  Fotografien über die Alhambra und den Generalife, dieses in Stein gegossene Mirakel von Pracht und Überfluss, in schwarzweiß? Es ist mein Versuch, einen Zugang zu öffnen, der unter die Außenhaut führt. Strukturen stärker sichtbar macht, als dies farbige Bilder vermögen. Denn Farben verdecken häufig. Führen uns in generelle Sichten. Aufsichten eben.

Granada – Generalife – von der Cuesta del Chapiz aus gesehen 17-03-2014

Die Fotografien sind in vielfachen Besuchen der Alhambra entstanden. Seit 2010. Inzwischen fühle ich mich beinah ‚zu Hause‘ in diesem Monument. Das für mich gleichwohl ein Mirakel geblieben ist. Das mir jedes Mal aufs Neue Staunen auslöst. Umso mehr, als ich nicht mehr durch die Räume, Höfe und Gärten eilen muss. Ich kann mich auf einen der wenigen Stühle setzen, die in den Räumen und Höfen stehen. Kann betrachten. Die Augen in Muße wandern, verweilen lassen. Dem folgen, was in mir vorgeht, wenn das Erschaute Teil von mir wird. Auf Vertrautes trifft. Dies neu bestimmt. Kopf und Bauch zu einer Einheit werden lassen.

Farbige Verdichtungen zur Alhambra werden auf dieser Homepage auch vorgestellt (Granada – Alhambra-Fantasien). Sie sind ein ganz anderer Zugang zum Mirakel der Alhambra. Beide – die schwarzweißen und die farbigen Bilder – sind aufeinander bezogen. Auf welche Weise dies so ist, ändert sich – zumindest für mich – mit jedem Besuch.

Die Bildergalerie wird in regelmäßiger Zeitfolge mit wechselnden Bildern ausgestattet.

Granada – Alhambra – Südpavillon des Patio de Arrayanes 16-09-2012