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Alhambra. Der rote Palast oben auf dem Felsen. Vielleicht auch nur der „rote Felsen“. Vielleicht verweist die arabische Bezeichung الحم راء قص ر (qasr al-hamrā‘ ) auch nur zurück auf unsere eigenen Fantasien, auf unsere Erinnerungen an die Geschichten aus tausendundeiner Nacht – oder auf die Geschichten, die der tausendundersten Nacht folgten. Bereits der Name birgt eben bereits mehr, als in einem Band assoziativer Fotografien verbildlicht werden kann. Man könnte auch sagen, es geht um Träume. Darum, das bei einem Besuch der Alhambra Gesehene einzukleiden in Träume, die Alhambra regelrecht neu zu träumen. Sich vom Geschauten zu lösen. Nicht vollständig, so dass der Ursprung des Traumes sichtbar, erinnerbar verbleibt.

Was ist dann „Alhambra träumen“? Nun, es ist eine Wanderung. Zumindest für den Fotografen. Viele Male hat er inzwischen diese Stadtfestung hoch oben auf dem Felsen besucht. Die Fotografien sind wie eine Wanderung. Vom seinem ersten Besuch bis hin zu seinem fünfzehnten oder sechszehnten. Wer will da noch zählen. Die Alhambra zu träumen, ist ein Mal für Mal vorsichtiges Anklopfen.

Damit die Legenden, die diese Paläste und die Gärten, aber auch die Alcazaba und die Festungstürme bergen und von denen der amerikanische Schriftsteller Washington Irving bereits viele in den ersten Dekaden des 19. Jahrhunderts aufgeschrieben hat, mit jedem Schritt ein wenig mehr und andere Zugänge unter die äußere Haut der Alhambra gestatten. Damit diese es zulässt, dass der Besucher und die Besucherin das zu Schauende Schicht für Schicht in der ihm oder ihr eigenen Sprache zu fassen versucht, zu ordnen und zu verdichten. Zu Texten,  zu Bildern auch, die nicht vollständig, und ein neues Dahinter entstehen lassen. Ein mögliches, ein sich immer wieder veränderndes auch. So, als könne man, als dürfe man die Kacheln von den Wänden der Paläste nehmen und sie auf eine neue Weise reihen.

So entstehen innere Bilder. Sie leiten beim je nächsten Gang auf den roten Felsen – oder hoch zu den roten Mauern – den Weg durch das dann bereits mehrfach, vielfach Gesehene. Die Suche nach dem Vertrauten zur Muße des Verweilens werden lassen. Es sind die Bilder, die sich über jede Wanderung hinweg wieder verändern, umdeuten. Die Gefühle auf- und mitnehmen. Die Alhambra durchwandern, mit den Händen begreifen zu dürfen und sie in Träume zu kleiden, ist so, als schreibe man neue Legenden, visualisierte Legenden. Jedes Mal ein wenig auf eine neue Weise.

Die in diesem Beitrag präsentierten Bilder basieren auf digitalen Fotografien. Sie entstanden im Verlaufe vieler Besuche zwischen 2010 und 2017. Zunächst entstand eine Idee, quasi als Gemeinschafts’arbeit‘ von Bauch und Kopf, die dann am PC in einer langen Folge von Schritten umgesetzt wurde. Dabei veränderte sich diese Idee. Nicht immer. Aber regelmäßig. Und das Ergebnis ist Anlass für neue Ideen und Träume. Ein nicht abgeschlossener Prozess.

In einem weiteren Beitrag dieser Homepage sind schwarzweiße Fotografien von der Alhambra und dem Generalife zu finden. Sie stellen mit ihrer formalen Strenge und dem Verzicht auf Farbe ganz bewusst einen Kontrast zu der assoziativen Gestalt der hier vorgestellten Bilder dar. Gleichwohl können beide Bildreihen als eine Einheit verstanden werden. Als Näherungsversuche aus unterschiedlichen visuellen Richtungen.